Gerhard Polt und die Well-Brüder aus´m Biermoos zu Gast bei 1000 Jahre Schaftlach
Aus dem Miesbacher Merkur am 3. August 2015
Der Satire-Göttervater und seine Kabarett-Titanen
Schaftlach – Er ist der Göttervater der Satire, und sie sind seine Kabarett-Titanen: Gerhard Polt und die Well-Brüder schenkten Schaftlach einen unvergesslichen Abend zur 1000-Jahr-Feier.
Dass ein Auftritt Polts samt der Well-Brüder Karli, Stofferl und Michael etwas Besonderes ist, war allen klar. Sonst wäre das Festzelt mit 2500 Gästen nicht seit Monaten ausverkauft gewesen. Aber schon zu Beginn dämmert es Schaftlachern wie Waakirchnern, dass ihnen ein denkwürdiges Programm bevorsteht: Denn die Wells singen Schaftlach ein Geburtstagsständchen – hochaktuell und gnadenlos.
„Schaftlach ist das schönste Dorf im Waakirchner Land“, das schon mal seinen Fernsehturm für das riesige Ortspanorama auf der Bühne wegretuschiert. Ob denn nun geklärt sei, wollen die Wells wissen, ob Schaftlach zu Waakirchen oder Waakirchen zu Schaftlach gehöre. Und wie’s um die Instandsetzung des Gmunder Maximilian steht. Und um in Gmund zu bleiben: Keiner wisse, warum der Preysing Schorsch so gern ins Naturschutzgebiet bauen würde.
Georg Bromme raten die Brüder zur Entschleunigungskur im Lanserhof. Die Venus am Hauserdörfler Kreisel, der an Abgasen erstickende Waakirchner Löwe waren ebenso Thema – und Bürgermeister Sepp Hartl, der zwar herausragend sei, aber nur, wenn er zwischen zwei Gartenzwergen stehe.
Auch Gerhard Polt war an diesem Freitagabend richtig gut drauf. Der Satiriker aus Neuhaus ist ein Seismograph bayerischen Empfindens. Vor allem aber ist er eine Instanz. Polt muss nichts sagen, und die Leute wissen trotzdem ganz genau, was ihm aufstößt. Allein der Neigungsgrad seiner Mundwinkel spricht Bände. Und dann seine gespielten Dialoge, mit denen er die bayerische Gefühlswelt entstehen lässt und menschliche Schwächen entlarvt.
Etwa, wie man sich in Bayern über schlechte Presse mokiert, die das Bild vom idyllischen Dorfleben trüben könnte. Oder wie Großeltern der Jugend Demokratie vermitteln: „Wenn Du keinen Zaster hast in der Demokratie, bist Du ein Demo-Grattler.“
Gerhard Polt zeichnet die Geschichte Bayerns mit CSU-Devotionalien nach, wie etwa die unverdauten Reste der Max-Strauß-Festplatte, Originalseiten der Guttenberg-Doktorarbeit, die Weißwurst-Haut im Humidor, die Angela Merkel beim Wolfratshauser Frühstück übrig ließ, und das 1,99-Promille-Röhrchen von Otto Wiesheu. Als passionierter Autofahrer bewirft Polt die Zuschauer mit englischen Fachausdrücken und stellt sich zusammen mit seiner Frau einen Neuwagen zusammen. Als indischer Dorfpfarrer kritisiert er die katholische Kirche: „Ich shepard, but no sheeps. Churches empty, empty, empty! But Biergarten is paradise.“
Die musikalischen Antworten der Well-Brüder, in deren Mittelpunkt stellvertretend für jedes bayerische Dorf die Well’sche Heimatgemeinde Hausen (ja, die mit dem absichtlich zu engen Kreisverkehr) steht, untermauern Polts Grant. Ein bisschen erinnerte das von der archaischen Kraft her an griechisches Theater.
Zum Schluss aber die Katharsis, die seelische Reinigung: Polt gibt mit jungenhaftem Lachen und kessem Hinterteil-Wackeln den singenden Afrikaner, während die Wells dazu spielen. 2500 Bayern im Festzelt waren außer sich, jubelten, applaudierten und feierten.
Alexandra Korimorth
Am Ostersonntag empfing Stofferl Well Claudia Pichler, die „Intendantin“ des Fraunhofertheaters München. Zusammen mit Stofferl Well und Evi Strehl formierte sie sich zur Studio-Stubenmusik Pichler-Strehl-Well.
Die Sendung kann man hier nachhören.
Karl Well, auch Karli oder Charly genannt, ist ein bisschen der „Wuide Hund“ der riesigen Familie Well: Wollte nicht recht Klarinette üben, rauchte zum Entsetzen der Nichtraucher in seiner Familie, zog früh daheim aus.
Das Portrait von Johannes Roßteuscher über Karli kann man hier nachhören.
Der ehemalige BR-Intendant Dr. Thomas Gruber war bei Evi Strehl und Stofferl Well im Studio.
Alle bisherigen Bayern plus-Volksmusik, Blas- und Laienmusiksendugen werden ab 2. Februar 2015 auf BR Heimat zu hören sein. Die Hörer erwartet neben Informationen über das künftige 24-Stunden Programm natürlich auch viel frische Volksmusik aus Bayern, die von der Redaktion Volksmusik für das BR-Schallarchiv aufgenommen wurden.
Auch Stofferl Wells Sendung ist dann im neuen Volksmusik-Digitalprogramm BR Heimat zu hören – auf einem neuen Sendeplatz: Jeden ersten Sonntag im Monat von 14.00 bis 15.00 Uhr.

Christoph Well, genannt Stofferl, der vermutlich größte Schelm der bekannten Musikerfamilie, wurde am 3. Dezember 1959 in Günzlhofen als 14. von 15 Kindern geboren. Er studierte Trompete, war Solotrompeter bei den Münchner Philharmonikern und wurde später Konzertharfenist.
Nachdem sich die bekannte Biermösl Blosn 2011 aufgelöst hat, geht Stofferl Well eigene Wege:
Mit seinen Brüdern Michael und Karli ist er als „Well Brüder aus dem Biermoos“ musikalisch unterwegs, als „Well-Buam“ spielt Stofferl mit weiteren Geschwistern, Kindern und Freunden zum Tanz auf und besonders gern liest er Mozarts Briefe an seine Cousine Maria Anna Thekla Mozart, das „Bäsle“, musikalisch umrahmt mit Mozarts Flötenquartetten vom Bäsle-Quartett.
Nach dem erfolgreichen Programm „Fein sein beinander bleibn“ (mit ihren Wellküren-Schwestern sowie der kürzlich verstorbenen 95-jährigen Mutter) sind die Well-Brüder mit Gerhard Polt seit 7. Februar 2015 mit der neuen Produktion „Ekzem Homo“ an den Münchner Kammerspielen zu sehen.

Darüber hinaus hat Stofferl Well nun auch Zeit und Lust, jeden Monat einmal für den Bayerischen Rundfunk auf BR Heimat zu moderieren – in Gstanzlform natürlich!
An jedem ersten Sonntag im Monat präsentiert er seine persönlichen Lieblingstitel: vom Landler (der Stoiber Buam) bis zum Couplet (des Kraudn Sepp) und vom bayerischen Hip Hop bis zur schwedischen Folkgruppe Triakel. Also vom Landler bis zum Blues.
Dass er dafür die nötigen Ideen und ein breites Musikwissen mitbringt, kann vorausgesetzt werden.
Natürlich muss immer auch ein Stück seines Lieblingskomponisten Wolfgang Amadeus Mozart dabei sein. Stofferls Gesundheitstipp: Mozart hören ist wichtig für die Volksgesundheit!
Außerdem lädt sich Well jedesmal einen ganz besonderen Studiogast ein, dem er sieben Fragen zur Volksmusik stellt. Mit dabei waren u.a. schon Ringsgwandl, Stefan Dettl (LaBrassBanda), Sepp Eibl, Alt-BR-Intendant Dr. Thomas Gruber und natürlich Gerhard Polt. Die letzten sechs Sendungen gibt’s jeweils in gekürzter Form hier zum Nachhören.
Seine erste Sendung startete am Samstag, 28. Januar 2012 von 18.00 bis 19.00 Uhr auf Bayern plus. Jetzt läuft sie an jedem ersten Sonntag im Monat auf BR Heimat.
Darüber hinaus hat Stofferl Well nun auch Zeit und Lust, jeden Monat einmal für den Bayerischen Rundfunk auf BR Heimat zu moderieren – in Gstanzlform natürlich!
Dazu lädt er sich jedesmal einen ganz besonderen Studiogast ein, dem er sieben Fragen zur Volksmusik stellt. Mit dabei waren schon Ringsgwandl, Toni Drexler, Wolfgang Wittenbrink und Gerhard Polt.
Seine erste Sendung startete am Samstag, 28. Januar 2012 von 18.00 bis 19.00 Uhr auf Bayern plus. Jetzt läuft sie an jedem ersten Sonntag im Monat auf BR Heimat.
Empfang
Das Programm kann mit einem Digitalradio, im Radioteil eines digitalisierten TV-Geräts oder im Internet via Livestream empfangen werden.
Am Montag, 23.2. um 21:00 Uhr ist Stofferl im BR bei den Lebenslinien zu sehen. Unter Boris Tomschiczeks Regie ist der schöne Beitrag „Stofferl Well – Herzkasperl Kasperlherz“ entstanden. Hier der Link zur BR-Seite.
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