HomeTermineBioMediaKontakt

Bayern 2 MusikFavorit:

A scheene Leich“ der Geschwister Well

Dieses Album befasst sich mit einem Thema, das jeder Mensch am liebsten weit von sich schiebt, solange er nicht selbst betroffen ist: dem Tod.

Stand: 26.10.2015

CD-Cover "A scheene Leich" von Geschwister Well | Bild: Well Musik, Montage: BR

Die Platte vereint die schönsten Beerdigungslieder, die sich im Lauf eines langen Musikantenlebens mit großer Verwandtschaft so angesammelt haben. Mit „A scheene Leich“ haben die sechs Geschwister ihren ganz persönlichen Kanon traditioneller bairischer „Lieder vom Tod“ aufgenommen und festgehalten – für sich selbst und für alle, die der Alternativlosigkeit der immer gleichen „Aussegnungshallen-Top-Ten“ entfliehen wollen.

 

Rezension der Geschwister-Well-CD „A Scheene Leich“ in den Kirchenzeitungen Glaube und Leben / Der Sonntag / Bonifatiusbote
18.10.2015
scheeneleich

21. September 2015

Hörbach 

Well Done

 

Foto: Günther Reger

Foto: Günther Reger

 

Während die Percussion-Band Diappo dem Publikum des Brettl-Festivals mit exotischen Trommelklängen einheizt, setzen die Wells auf scharfzüngigen Witz und einen rasanten Mix aus Gangsta-Rap und Stubenmusik

Von Julia Bergmann

Satte Trommelschläge zerschneiden die Stille im Zelt, die Hände der Musiker peitschen im Stakkato über die Felle, der Rhythmus schwillt an. Die acht Musiker auf der Bühne wippen im Takt, trommeln sich in Ekstase. Diappo, die Percussion-Band aus dem Landkreis, bestehend aus Flüchtlingen und bereits anerkannten Asylbewerbern aus dem Senegal und Mazedonien leiten den Abschluss-Abend des diesjährigen Brettl-Festivals im Hörbacher Zirkuszelt ein.

Im Publikum große Augen und lächelnde Gesichter, vereinzelt verdatterte Mienen: Manch einer scheint kaum glauben zu können, was sich da vor seinen Augen abspielt. Die Musiker, zum Großteil gekleidet in traditionellen afrikanischen Gewändern, trommeln sich die Seele aus dem Leib, lassen die Hände wirbeln, springen von ihren Stühlen auf, um sich, je weiter der Abend voranschreitet, immer mehr im Klang ihrer Instrumente zu verlieren. Für einen kurzen Moment liegt Hörbach irgendwo in den unendlichen Weiten Afrikas. Ein Jauchzer schrillt durch das Zelt, die dunkelhäutigen Schönheiten lassen ihre Arme durch die Lüfte sausen, die Locken springen, die langen Zöpfe tanzen. Als die Show mit einem ohrenbetäubenden Schlag zu Ende geht, setzt ebenso laut der Applaus ein.

Es ist kein Leichtes, eine Darbietung wie diese zu toppen. Da muss schon etwas Grandioses folgen, etwas, das den Atem raubt, aufregend ist und voller Höhepunkte steckt. Genau das bekommt in Hörbach einen Namen: Die Well Brüder ausm Biermoos betreten die Bühne. Nach dem Aus für die Biermösl Blosn treten die Wells an diesem Abend erstmals im Landkreis in neuer Formation auf. Während Stofferl und Michael Well die Bühne bereits betreten haben, bleibt der dritte im Gespann noch im Verborgenen. Die Wells machen es spannend. Nach dem Ausscheiden von Hansi Well habe man familienintern ein Casting veranstaltet, erklärt Stofferl Well. Der Vorhang schiebt sich zur Seite und – ein rosarotes Ungetüm betritt die Bühne. Gehüllt in ein flauschiges Stück Stoff steht der Dritte auf der Bühne und wird wortreich und unter technisch wohl äußerst ausgeklügelt erzeugten Rauchschwaden, die aus der pinken Decke hervorwabern, enthüllt: Karl Well steht auf der Bühne, und das Trio setzt gleich zu Beginn zur umfassenden Abrechnung an. Die hiesige Politprominenz darf sich warm anziehen, Landrat Thomas Karmasin kriegt ob seiner umstrittenen Flüchtlingspolitik gleich zum Auftakt sein Fett weg und auch Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet, „so herausragend wie es herausragender nimmer geht, wenn er zwischen zwei Gartenzwergen steht“, wird rangenommen.

Der Sound des „Che-Guevara-Landlers“, der vor vielen Jahren nach einem eskalierten Käsekuchen-Essen im Hause Drexler entstanden ist, hängt noch in der Luft, da setzen die Wells schon zu einer Performance der Extraklasse mit Harfe, Gitarre und Tuba an. Stofferl Well besingt voller Inbrunst den verhassten Andreas Gabalier, „der keinen Schuhplattler kann“. Dafür stellt der Stofferl sein Können unter Beweis, plattlt um sein Leben, räumt dabei um ein Haar das Bühneninventar vom Podium und setzt gleich – unter tosendem Applaus – einen Jodler hinterher. Als nächstes ist Karl Well an der Reihe, der von den jüngsten Eskapaden seiner Frau berichtet: dem orientalischen Bauchtanzkurs an der örtlichen Volkshochschule. Schon bevor der Vers „I zoag eich, wia des geht“ erklingt, jauchzt das Publikum in heller Vorfreude, und Karl Well lässt sich nicht lumpen. Mit einem frivolen Lächeln auf den Lippen tritt er nach vorne, hebt die Arme und lässt seine runde Plauze zu den orientalischen Tönen von Stofferls Querflöte lasziv pulsieren. Und auch Michael Well hat ein Highlight in petto. Ganz dem Urahnen, dem schottischen Lord McWell verpflichtet, setzt er zum Highland-Tanz an – und das mit Bravour. Er steppt und wirft die Beine in die Höhe, als würde er die vergangenen Jahrzehnte Lügen strafen.

Hörbach Hörbach

Was die Wells zum Abschluss des Brettl-Festivals auf der Bühne zeigen, ist der reinste Wahnsinn, das Publikum wird nicht müde zu lachen, da werden die skurrilsten Instrumente ausgepackt, von Dudelsack bis hin zum Xylophon-Hackbrett-Verschnitt. Selbst einer antiken Drehleier werden noch die irrwitzigsten Klänge entlockt. Die Wells schrecken auch vor Sprechgesang auf Latein nicht zurück, kicken ein lässiges „Gymnasium Bavarium macht superdumm, quod erat demonstrandum, yo!“ von der Bühne. Des Sprechgesangs nicht genug, zieht sich Stofferl Well kurzerhand ein Beanie über den Kopf, lässt den Gürtel aus den Hosenschlaufen schnellen, zieht die Krachlederne auf Halbmast und rappt über die Milchpreise, die in zunehmend in den Keller schnellen. „Wir sind Agro Agrar, fick den Bauernverband“, haut Stofferl noch raus und animiert das Publikum mitzusingen: „Forty Cent, Forty Cent oder der Müller Milch brennt.“ In gebieterischer Hiphop-Pose springt er auf der Bühne auf und ab, geht in die Hocke und gestikuliert wild umher. Die Besucher kreischen vor Lachen.

Zum Abschluss packen die Wells gigantische Alphörner aus, die auf den Schultern der Besucher in den ersten Reihen zum Liegen kommen. Und gemeinsam mit den Trommlern von Diappo lassen sie den Abend in einem exotischen Mix aus Bayern und Afrika ausklingen. Nach 90 fulminanten Minuten und drei Zugaben verabschieden sich die Well Brüder ausm Biermoos mit einem Versprechen. „Bis in fünf Jahren“, rufen sie noch von der Bühne – und dann ist der Zauber vorüber.

21 Bairische Lieder vom Tod

Die Geschwister singen und spielen ihr persönliches Repertoire an traditionellen, bairischen Trauer- und Beerdigungsliedern. Gerhard Polt hält die Grabreden. Eine CD für den Herbst. Veröffentlichung am 9. Oktober. Jetzt aber schon zum Vorbestellen im Geschwister-Well-Shop.

 

A_scheene_Leich_Packshot

Bairische Trauerlieder. Sie gehören zu unserem lebendigen Repertoire. Von Kindheit an waren wir ja immer dabei, wenn es etwas zu Feiern gab: bei Hochzeiten, Taufen, Feuerwehrjubiläen, Geburtstagen, an Weihnachten, zur Passionszeit und eben auch bei Beerdigungen und Trauerfeiern. Unsere Eltern, Gertraud und Hermann Well, hatten wirklich ganze Arbeit geleistet. Wir waren musikalisch für alles gewappnet, von der Wiege bis zum Grab.

Dieser reiche Liederschatz ist uns bis heute, bei den Wellküren und den Well-Brüdern, Fundus und Quelle für unsere Musikkabarett-Programme. Allein die Beerdigungslieder, die so wunderschön sind, führten da verständlicher Weise ein Schattendasein. Beim Sterben hört schließlich der Spaß auf.

Es mag daran liegen, dass man sich mit zunehmendem Alter selbst intensiver mit dem Tod beschäftigt, oder daran, dass wir in letzter Zeit immer häufiger uns nahestehende Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten. Jedenfalls reifte in den vergangenen Jahren der Plan, diese Lieder einmal aufzunehmen, um sie für uns festzuhalten – und für alle, die der Alternativlosigkeit der immergleichen „Musik vom Band“ der Aussegnungshallen etwas entgegen setzen möchten.
„A scheene Leich“ ist unser ganz persönlicher Kanon der traditionellen, bairischen „Lieder vom Tod“. Eine Lieder- und Musiksammlung, die wir sehr lieben und schätzen.
Die Aufnahmen entstanden zwischen 2010 und 2015 in einer kleinen Hauskapelle in Frankreich und in Stofferls Wohnung in München-Haidhausen.

Am Grab: Gerhard Polt 

Wer, wie wir, von klein auf mehrere Beerdigungen pro Jahr auf zumeist ländlichen Friedhöfen musikalisch begleitet, dem fällt dabei eines immer wieder auf: die Unfähigkeit des Menschen, seiner Trauer, seinen Gefühlenund der Situation angemessene Worte zu finden. Angesichts der Monströsität des Todes, ist der Mensch wortlos. Und dennoch erwarten das Ritual, die Trauergemeinde, der Brauch Worte; wenn möglich sogar große Worte der Trauer, des Gedenkens und des Trostes. Und hier entsteht – neben aller Andacht – etwas, das angeblich gar nichts auf einem Gottesacker verloren hat: Komik. 

Wir konnten unseren Freund, Gerhard Polt, dafür gewinnen, im Gedenken an und stellvertretend für alle Vereinsvorstände, Würdenträger, Dorfbürgermeister, Feuerwehrler und sonstige Grabredner, diese Wortlosigkeit, die Worthülsigkeit, das verzweifelte Versteigen in abstruse Satz- und Sinn-Gebilde nachzuempfinden.

stofferllandshut

Stofferl Well ist wieder on the road. Diesmal in Landshut. Der BR strahlt das Strawanzen in Landshut zum ersten Mal am 15. August um 19:45 Uhr aus!

Hier gehts zum Link!

Der BR berichtet:

familie-well

Bairische Sprachwurzel

Auszeichnung für Well-Brüder und ihre Kinder

Die drei Brüder Michael, Stofferl und Karli Well sind am Sonntag zusammen mit ihren Kindern Maria, Matthias und Maresa mit der „Bairischen Sprachwurzel“ ausgezeichnet worden. Der „Bund Bairische Sprache“ ehrt mit dem Preis Prominente, die in der Öffentlichkeit Dialekt sprechen.

Als Nachfolger der legendären „Biermösl Blosn“ treten Michael, Stofferl und Karli unter dem neuen Namen „Wellbrüder aus’m Biermoos“ auf, meistens natürlich mit Kompagnon Gerhard Polt. Ihre Kinder sind als musikalische Formation „NouWell Cousines“ bekannt.

In der Begründung für die Preisvergabe heißt es, dass der Name Well im deutschsprachigen Raum als Markenzeichen für den Gebrauch des  westmittelbairischen Dialekts an der Sprachgrenze zu Schwaben steht, aber immer gefeit dagegen war, in ein bayerntümelndes Folklore-Eckerl gestellt zu werden.

Sepp Obermeier, der Gründer des „Bunds Bairische Sprache“, sagte, zusammen mit den Kindern der Well-Brüder habe man die Liste der bisherigen prominenten Preisträger, die als Tabubrecher bei offiziellen Anlässen Bairisch reden, um „sechs auf einen Streich“ erweitert. Karli Well steht erst seit 2012 mit seinen beiden Brüdern auf der Bühne. Er stieg ein, als Hans Well bei der Biermösl Blosn ausstieg.

Die Bairische Sprachwurzel haben die Well-Schwestern, bekannt als Wellküren, vor ihren Brüdern bekommen. Sie waren 2008 Preisträgerinnen und stehen damit in einer Reihe mit Papst Emeritus Benedikt XVI., Hans-Jürgen Buchner, bekannt als Haindling, Luise Kinseher oder Georg Ringsgwandl. Die bairische Sprachwurzel wird seit 2005 verliehen.

Dialekt spreche man heute bewusst, weil man etwas damit verbinde, sagte Ludwig M. Eichinger vom Institut für Deutsche Sprache in Mannheim in seiner Laudatio. Verbinden könne man Weltoffenheit, Liberalität, Originalität sowie frech-subversives Infragestellen von Autoritäten und Gewohnheiten. Genau das demonstrierten auch die Ausgezeichneten in ihrem künstlerischen Wirken. Dialekt müsse nicht für Konservativismus, Spießigkeit und Landidyll stehen, sondern sei auch kompatibel mit dem urbanen Lebensgefühl des 21. Jahrhunderts.

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner