AUS’M BIERMOOS

Z’am rocken mit den Well Brüdern

Z’am rocken mit den Well Brüdern

Der Bericht zu unserer musikalischen Reise nach „Tel Aviv“  

Am 1. Juli begaben wir Well-Brüder uns mit unseren Kindern Maresa, Maria und Matthias um 7 Uhr morgens auf den Weg nach Tel Aviv. Nach langen Sicherheitskontrollen und dem Verstauen von Alphörnern, Akkordeon, Tuba usw. warteten wir in der separaten Abflughalle am Münchner Flughafen.

Beim Einchecken raunte mir ein seriös gekleideter Mann verschwörerisch zu: „Die Aigner fliegt mit, zusammen mit einer Wirtschaftsdelegation.“ Tatsächlich entdeckten wir am Gate weißblau gedeckte Partytische, geschmückt mit weißblauen Fähnchen und eine männerdominierte Delegation, allesamt mindestens Besoldungsgruppe A13, vertieft in wichtige Gespräche und Butterbrezen kauend. Wir schlichen uns an und klauten auch ein paar Brezen, wir hatten ja kaum gefrühstückt.

Endlich ging es los. Auf der Busfahrt zum Flugzeug stand Michael zufällig neben der Frau Superministerin und fragte sie ganz ungeniert, ob sie nicht Angst hätte, wo doch der Seehofer gerade auf Staatsbesuch in Paris sei, dass der Söder, der jetzt ganz allein in Bayern daheim ist, sich an die Macht putscht, wenn sie nach Israel fliege. „Nein, die Angst habe ich nicht“, antwortete die Frau Aigner kühl. Aber was wir in Israel zu tun hätten, wollte sie wissen.

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Die Well Brüder in „the zone“; Foto: Markus Schlich

Ja, was wollten wir in Tel Aviv? 

Der BR hatte uns im Rahmen seiner Sendung „Zam rocken“ eingeladen mit israelischen Musikern zusammen diese Folge mit zu gestalten.

Mit El-Al hoben wir (Holzklasse) und die gaballte Wirtschaftskompetenz Bayerns (Senatorklasse) nach ziemlich genauem Durchleuchten unserer Arbeitsgeräte relativ pünktlich ab. Da es unsere erste Reise ins heilige Land war und das nur für drei Tage, waren wir natürlich neugierig was uns da erwartet.

Erst einmal beim Aussteigen aus dem Flugzeug ein Hitzeschock. Als wir mit unseren Instrumenten zur Passkontrolle gingen, folgten uns viele neugierige Blicke, Alphörner sind ja nicht gerade alltäglich im Staate Israel. Die Frau Aigner haben wir dann nicht mehr gesehen. Von zwei netten jungen Studenten wurden wir vom Flughafen ins Hotel Isrotel gefahren, eines der Hochhäuser direkt am Strand von Tel Aviv.

Die gesamte BR-Mannschaft mit allen Beteiligten – die Luise Kinseher (sie moderierte die Sendung), die Franziska Eimer mit ihrem Freund Lorenz Wagner (sie hatten die Idee zur Sendung), … – traf sich gegen 19 Uhr in den Hotellobby, und wir marschierten los zu einem schönen Gartenrestaurant, in das die BR-Redaktion eingeladen hatte. Ein sehr angenehmer Rahmen, um sich kennen zu lernen und sich zu besprechen. Das Essen war hervorragend und natürlich koscher, das Bier war trinkbar, aber nicht ganz so koscher.

Unter einem Affenbrotbaum sitzend, besprachen wir den Ablauf der Aufzeichnung am nächsten Tag, lernten die BR-Mannschaft kennen und konnten es gar nicht fassen, hier zu sitzen, wo wir doch gestern noch in Schweinfurth gespielt hatten.

Ab 22 Uhr steppt in Tel Aviv der Bär. Eine Kneipe, ein Strandfest, eine Vergnügungsstätte nach der andern. Die Stadt ist wie ein riesiger Schmelztiegel. Araber, Amerikaner, Asiaten, Europäer, Christen, Moslems, Juden …. alles trifft hier in Tel Aviv aufeinander und kommt eigentlich gut miteinander aus.

Wir schauten noch den Rest des WM-Spieles Belgien-USA in einer Liegestuhl-Bar am Strand an und gingen dann ins Bett. Die Nacht war zwar heiß, aber ruhig. Die palestinensischen Raketenangriffe sollten erst drei Tage später einsetzen.

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Well Brüder mit ihren Kindern ;Foto: Markus Schlich

Am frühen Vormittag des nächsten Tages erkundeten wir das Viertel im Zentrum der Stadt. Es ist unglaublich laut und quirlig, viele kleine Geschäfte, unzählige Kaffees und Verkehr ohne Ende. Wir wunderten uns über das architektonische Kuddelmuddel von ganz neuen, grausigen Betonhochhäusern, ziemlich heruntergekommenen Bauhaus-Gebäuden der ersten Häusergeneration von Tel Aviv (vor cirka 60 Jahren) und ganz schönen Häuserzeilen mit wunderschönen Gärten. Von der politischen Spannung, die das Land beherrscht und die einige Tage danach in den Krieg führen sollte, war erstaunlicherweise nichts zu spüren.

Am Mittag, gegen 13 Uhr wurden wir abgeholt und fuhren zu unserem Reiseziel: „the zone“, eine Mischung zwischen Garage und Wellblechhütte, bunt bemalt, umgeben von Autobahnen und Hochhäusern. Mehr „independent“ geht fast nicht.

Mit der Zeit fanden sich eine Band nach der andern ein, man ratschte in gebrochenem Englisch, wobei unsere Kinder uns sprachlich weit überlegen waren und näherte sich so einander. Dann begannen wir zusammen zu spielen, und siehe da, alle Sprachschwierigkeiten unsererseits waren unwichtig. Es bereitete einen solchen Höllenspaß mit dem ganzen Haufen, dass es eine wahre Freude war und die Strapazen der Reise wie weggeblasen schienen.

Die Bands aus Israel waren:

Kbetch, ausgesprochen „Quetsch“ mit Klarinette, Geige, Akkordeon, Bass und Drumbox;
– Riff Cohen, eine sehr pfiffige und hübsche Sängerin mit ihrem Trommler;
Boom Pam, sie spielen eine Mischung aus Rock und traditioneller Gebrauchsmusik, mit E-Gitarre, Bass, Tuba, Schlagzeug un Keyboard;
Adir Kochavi Roots & More, eine Band mit jemenitischen Wurzeln, Percussion, Trompete, Saxophon, Bass ….

Franziska Eimer, die Erfinderin der Sendung, bekam eine ausgeliehene Harfe, mit der sie erstaunlich gut zurechtkam und überall munter und passend mitzupfte.

Wir sollten mit unserer bairischen Musik den Weltmusiksound komplettieren. Dazu hatten wir uns mit drei Alphörnern, zwei Steirischen Akkordeons, Gitarre, Trompete, Klarinette, Tuba, Bariton, Maultrommeln, zwei Geigen und Cello ausgestattet. Alle Instrumente haben den Hin- und Rückflug unbeschadet überstanden.

Die „Probe“ geriet zu einem Dauerhoagascht und Sitzweil. Für den Soundcheck blieb nicht mehr viel Zeit, was sich hinsichtlich der Menge an Dezibel als problematisch für die Aufzeichnung erwies. Es wurde vom hervorragenden Tontechniker, der fast unwirklich unhektisch war, improvisiert und gegen 20 Uhr ging‘s los.

Es war saumäßig lustig, interessant und, der Monaco Franze täte sagen, „inspirierend“! Wir haben auch versucht die hebräische Sprache in den Woidhansl-Tanz zu integrieren, was in Lautschrift ungefähr so ging:

Schalom a machnu
be Tel Aviv, dreihollero, dreihollero,
col ha a naschim
på nora magniv, dreihollero, schneids åb!

Wir haben keine Ahnung, was das heißt, aber die Zuhörer und Musikantenkollegen  fanden es recht lustig.

Mit so einem Haufen richtig sauguter (das Wort ist zwar nicht koscher, passt aber) Musiker haben wir schon lang nicht mehr zusammen musiziert. Ein jeder ein absoluter Meister seines Fachs und was das schönste war: Lauter offene, unideologische, schlaue und wirklich nette Menschen, mit denen man gerne öfter im Leben zusammen wäre.

Keine Ressentiments oder Scheuklappen! Man spielte nur zum Spaß, hörte sich gegenseitig gut zu und konnte sich, ohne irgendein Hilfsenglisch, wunderbar mit Hilfe von Tönen unterhalten. Uns wurde wieder klar, was die Musik doch für eine universelle Sprache ist!

Nach der Aufzeichnung gabs noch was zu essen und zu trinken, und nach 13 Stunden wurden wir mit einer Menge neuer Freundschaften wieder ins Hotel gebracht.

Am Donnerstag, nach dem Frühstück, schauten wir noch den Markt in Jaffa an, Stofferl ging ins Meer schwimmen.

Die Rückreise gestaltete sich etwas länger als geplant, da die Fluglotsen streikten, aber nach zig Kontrollen (Die Zollbeamten in Israel waren wirklich sehr freundlich!) und  langem Warten kamen wir wohlbehalten um Mitternacht wieder am Franz Strauß Airport (das Josef ist offensichtlich eingespart) an.

Es war ein sehr anstrengender, aber unglaublich interessanter und erfüllender Ausflug!

Sendetermin: Freitag, 1. August um 23.25 Uhr

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