AUS’M BIERMOOS

Bitter-süßer Spott im Ramminger Braustadel – Augsburger Allgemeine

Bitter-süßer Spott

Die Well-Brüder nehmen im Ramminger Braustadel Bayerns Großkopferte ebenso aufs Korn wie etwas weniger Bekannte, etwa aus Rammingen und Bad Wörishofen
Christoph, Karl und Michael in Rammingen (Foto: Wilhelm Unfried)

Die „Well-Brüder“ Christoph, Karl und Michael (von links) warteten im Braustadel Rammingen nicht nur mit großem Polit-Kabarett auf, sondern auch mit großen Instrumenten.

Inge und Tscharlie Hemmer waren den Tränen nahe, als sie die Well-Brüder Christoph, Karl und Michael im Ramminger Braustadel ankündigen konnten. Endlich habe es geklappt, so Tscharlie, und mit ihm freuten sich rund 150 Besucher, die gekommen waren, um die Nachfolger der legendären „Biermösl Blosn“ zu erleben. Die G‘stanzl und hintergründigen Gespräche in bestem bajuwarischen Dialekt zu verfolgen, war für das meist schwäbische Publikum nicht immer einfach. Besonders Christoph Well hatte ein rekordverdächtiges Redetempo drauf, um Politiker, aber auch die Durchschnittstypen aufs Korn zu nehmen.

Um die Gruppe zu verstehen, muss man deren Geschichte kennen. Die Biermösl Blosn wurde als bayerische Musik- und Kabarettgruppe 1976 von den Brüdern Hans, Christoph und Michael Well gegründet. Die Gruppe verband Volksmusik mit politischen Texten. 2012 löste sich die Gruppe auf. Bruder Hans schied aus grundsätzlichen Erwägungen aus und zusammen mit Bruder Karl formierten sich die Well-Brüder, um fortan den Politikern weiter das Fürchten zu lernen. Entstanden war die Gruppe in der Zeit der großen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, etwa um die Wiederaufbereitungsanlage für Atommüll in Wackersdorf.

Nun habe sich das Feindbild geändert, so auch die CSU, deshalb gebe es nun eine Neuausrichtung, erklärte Christoph Well. Dennoch sieht sich die Gruppe immer noch als ein Stachel im Fleisch der Obrigkeit, weswegen der Ministerpräsident wegen seiner „Wendepolitik“ immer wieder Zielscheibe wurde. Nicht ungeschoren kam auch der FC Bayern davon: „Macht einer den FC Bayern mies, wird er vertrieben aus dem Paradies!“, hieß in einem G‘stanzl.

Doch es wurde auch schlicht und einfach geblödelt. Immer wieder wurde auf einen ominösen Kreisheimatpfleger Toni Drexel verwiesen, der allerlei „wichtige“ Erkenntnisse gewonnen hatte. Stocktrocken berichtete Christoph Well von der angeblichen Verwandtschaft von Flamenco, Jodeln und Schuhplattler. Natürlich hatten die drei auch etwas über die Region ausgegraben. Das Unterallgäu sei so schwarz, dass man auch untertags mit Licht herumfahren müsse. Rammingen sei bekannt für eine Biogasanlage, einen Bahnhalt und einen Bürgermeister, der alles überrage, wenn er im Garten mit Gartenzwergen stehe. Und auch Bad Wörishofen wurde immer wieder zitiert, als die Heimat unter 100-Jähriger.

Bleiben noch die Well-Brüder als Musiker zu erwähnen. Es muss schon eine besondere Familie gewesen sein, 15 Geschwister, davon sieben Mädchen und acht Buben, die der Vater, ein Lehrer, in die Welt setzte. Fast alle haben eine musische Ader, unter anderem treten die Schwestern in einer eigenen Gruppe, der „Wellküren“ auf. Die kommen übrigens im Oktober in den Braustadel, der Kartenvorverkauf hat schon begonnen.

Die drei Künstler zauberten Musik vom Feinsten unter anderem mit Harfe, Trompete, Tuba, Gitarre, Violine, Bassgeige, Xylofon, Leierkasten, Eigenerfindungen und am Ende sogar mit dem Alphorn herbei. Letztere ragten gut drei Meter auf die Tische der Gäste. Und wer weiß, wie schwer diese Instrumente zu beherrschen sind, der wird sich über das Repertoire wundern: „Yellow Submarine“, „Bi-Ba-Butzemann“ und sogar „Freude schöner Götterfunken“ wurde da unter Szenenapplaus gespielt.

Am Ende verriet Tscharlie Hemmer noch einen weiteren Traum: Die Well-Brüder zusammen mit Gerhard Polt in Rammingen auf die Bühne zu bringen. Diese versprachen, das Unmögliche möglich zu machen.

 

Von Wilhelm Unfried